Ganzheitliche Aspekte einer Parodontitis detailliert

Die folgenden Themen sind sehr detailliert und medizinisch. Sie betreffen vorwiegend ganzheitlich-biochemische Prozesse, welche die Hauptursachen einer Parodontitis sind. Sie sind für Kollegen(innen) eine wertvolle Informationsquelle und zeigen deutlich, warum Ganzheitsmedizin und Schulmedizin gar nicht so weit auseinanderliegen.

Bei parodontalen Geschehen spielen immer wieder die gleichen Geschehen eine wesentliche Rolle.

  1. Parodontitis und Säure/Basenhaushalt
  2. Schwermetalle als Zinkräuber
  3. Entzündungshaushalt und Arachidonsäurestoffwechsel
  4. Mineral und Vitaminhaushalt
  5. Nebenfaktoren wie Stress und außergewöhnliche Belastung

Parodontitis und Säure/Basenhaushalt:

Die Grundlage nahezu jedes parodontalen Geschehens liegt in einer Entgleisung des Säure/Basen Haushaltes. Dies kann anhand von Speichel und Harnteststreifen, sowie Vollblutanalyse jederzeit nachgewiesen werden;

Der Norm ph Wert im Speichel: 7.0-7.1 mmol/l (neutral bis schwach basisch) und im Blut: 7.37-7.43 mmol/l, sinkt dieser unter 7.36 spricht man von einer Übersäuerung, unter 7 wird es bereits lebensgefährlich.

Es gibt kaum Parodontitispatienten, welche nicht auch vom Gesamtorganismus her übersäuert sind und sei es nur durch falsche Ernährung:, ein Zuviel an säurebildender Kost (Fleisch, Salz, Zucker, Kaffee, ein Zuviel an gärungsbildender Kost: Salate und Rohkost v.a. am Abend stellen für den menschlichen Organismus eine enorme Belastung dar, da diese nicht mehr verwertet wird, und die Nacht über im Darm vor sich hin gärt und so Giftstoffe freisetzt. Dazu kommen ein Zuwenig an basischer Frischkost, wie z.B. Kartoffel und Karotten, aber auch Überanstrengung, Stress und Bewegungsmangel.

Der S/B Haushalt wird vorwiegend durch die Carbonanhydratase (CA) gesteuert. Diese spielt überall dort eine Rolle, wo es einen H+ Ionengradient gibt, d.h. wo ein PH Unterschied ausgeglichen werden muss, also in den Nierentubuli, in der Magenschleimhaut, im Dünndarm und den Speicheldrüsen. Die CA ist absolut zinkabhängig, bei Fehlen von Zink, wird somit die Bildung von Hco3-gehemmt und der gesamte S/B Haushalt ist gefährdet.

CA katalysiert die Reaktion: H2O+CO2⇐⇒H+ +HCO3-

HCO3- ist nun fähig, H+ im Körper abzupuffern, es erhöht in der Zelle des Magens den PH Wert von 2 auf 7.0. Überschüssiges Hco3- wird über die nach oben verlaufenden Kapillarschlingen des Magens an den restlichen Organismus abgegeben.

Die Durchblutung der Kapillarschlingen ist wiederum von PGE2 gesteuert, doch zu PGE2 später. Ist die Carbonanhydratase in ihrer Funktion gestört wird Hco3- nicht oder nur vermindert gebildet. Die Folge ist eine Übersäuerung des Gesamtorganismus. Und ist der Gesamtorganismus übersäuert und wird zusätzlich eine schlechte Mundhygiene durchgeführt so muss der PH Wert im Mund des Menschen ebenfalls zu niedrig werden und es werden sich in diesem sauren Milieu Keime und Anaerobier wesentlich rascher ansiedeln und vermehren, als im Normbereich.

Schwermetalle als Zinkräuber:

Im Zusammenhang mit Carbonanhydratase sollte bedacht werden, dass Amalgame und deren Schwermetalle nachgewiesen Zinkräuber sind, daher gibt es auch kaum einen schwermetallbelasteten Patienten, welcher nicht übersäuert ist. Parodontitis und die Anzahl der gelegten Amalgamfüllungen zeigen oftmals einen deutlichen direkten Zusammenhang in der Schwere der Erkrankung!

Parodontitis und Entzündungshaushalt:

Kurzkettige Fettsäuren in Fastfood, Fleisch und Wurstwaren, sind verantwortlich für die überwiegende Synthese von Arachidonsäure durch das Enzym Phospholipase A1, Arachidonsäure wird durch die Zyklooxygenase zu PGE2, welches proinflammatorisch und immunsuppressiv wirkt, auf der anderen Seite entstehen durch die Lipoxigenase Leukotriene, welche ebenfalls entzündungsfördernd sind, indem sie die PGE2 Synthese und die Zyklooxigenase stimulieren. Das PGE2 wird außerdem aus polymorphkernigen Makrophagen sezerniert und ist im Parodont die stärkste osteolytisch wirksame Substanz, welche außerdem prognostisch eine wesentliche Rolle einnimmt; sie geht dem Attachementverlust ca. 14 Tage voraus und kann schon zu diesem Zeitpunkt im Sulcusfluid nachgewiesen werden.

COX Hemmer wie Movalis greifen erst an der Cyclooxigenase an und hemmen zwar so die Bildung von PGE2, aber die Arachidonsäure ist schon im Überschuss da, sie wird daher vermehrt über die Lipoxigenase zu Leukotrienen umgewandelt.

Durch die Gabe von langkettigen Fettsäuren, wie z.B.: Omega 3 Fettsäuren: (in Fischölen) Alphalinolensäure, Eicosapentaensäure und Docosahexaensäure kommt es erst gar nicht zur Bildung von Arachidonsäure und somit kommt es zur deutlichen Reduzierung von PGE2 und LT 4, welches zur Erhöhung von PGE3 und Leukotrien 5, welche im Gegensatz antiinflammatorisch und immunstimulierend wirken. Die Gammalinolensäure eine Omega 6 FS (in kaltgepressten Ölen) stimuliert die Bildung von PGE1, welches stark entzündungshemmend und immunstimulieren wirkt.

Vereinfacht sei gesagt, dass allein durch die Gabe von langkettigen FS die Entzündung wesentlich rascher eingeschränkt werden kann. Zu Beginn der Behandlung eignen sich diverse Leinöl-, EPH- und Borragekapseln, am besten eignet sich jedoch die Gabe von normalem kaltgepressten Leinöl, wobei ein bis zwei Esslöffel über den Salat, über Brot etc. über mindestens 6-8 Wochen deutliche Entzündungsrückbildung ergeben. Es sollte sich aber dabei um sehr hochwertige Produkte handeln, welche literweise unglaublich günstig zu erwerben sind. Die Mittel aus Reformhäusern sind meistens nicht frisch und nicht hochwertig genug und überteuert!

Parodontitis und Mineral- und Vitaminhaushalt:

Manche parodontale Patienten sind von diesem Standpunkt aus betrachtet im wahrsten Sinne des Wortes völlig am Ende.

Mögliche Ursachen sind hier:

Mangel an Zink, welches in über 200 enzymatischen Stoffwechselprozessen wesentlich beteiligt ist, zur Stabilisierung der Zellmembran beiträgt, das Immunsystem stärkt, den Calciumeinbau ins Parodont fördert und für den Aufbau von DNA u. RNA mitverantwortlich ist,

Mangel an Vitamin C, welches nachgewiesen für eine Verkürzung der Wundheilung, dem regulären Kollagenaufbau, für eine Sperre gegen Toxine und Bakterienprodukte, einer verbesserten Lymphozytenfunktion und reduzierter Antikörperreaktion verantwortlich ist.

Vit. A und Betacarotin sind verantwortlich für die Kollagensynthese und tragen zur besseren Wundheilung bei. Außerdem sind sie, wie auch das Vit. E wichtige Antioxidantien. (Schon die gesunde Körperzelle erfährt pro Tag ca. 10000 radikalinduzierte Veränderungen der Erbmasse, die aber durch Reparaturmechanismen wie Proteinasen, Phospholipasen, Transferasen und Peroxidasen wieder hergestellt werden. Gelingt es nicht mehr, die ständigen Veränderungen auszugleichen, spricht man von “Oxidativen Stress“). Hält dieser im Falle einer Infektion, eines Sonnenbrandes etc. nur kurz an, werden Katalasen und Peroxidasen vermehrt zur Wirkung kommen. Hält dieser jedoch länger an, kommt es zur Zerstörung körpereigener Strukturen.

Freie Radikale entstehen unter Anwesenheit von Biokatalysatoren, dies ist im Prinzip im Sinne des biologischen Stoffwechsels, sie entstehen unter Anwesenheit von Biokatalysatoren (Enzyme), welche andere Reaktionspartner in einen aktivierten Zustand versetzen und somit biologische Reaktionen überhaupt erst ermöglichen. Radikale entstehen aber auch im Zuge der Neubildung genetischen Materials im Zellkern sowie bei der Verstoffwechslung von Eiweiß und Zucker im Zellsaft. Diese aktivierten Stoffwechselmoleküle sind aber derart reaktiv, dass sie neben den Nährstoffen auch körpereigenes biologisches Material oxidieren und zerstören würden, wäre unser Körper nicht durch Vitamine und Aminosäuren geschützt. Kippt dieses streng biologische Gleichgewicht, kommt es zu Entzündungsreaktionen und Abbau von körpereigener Substanz, im schlimmsten Fall zum neoplastischen Geschehen.

Hier muss man bestrebt sein, antioxidative Prozesse einzuleiten, bei gleichzeitiger drastischer Reduktion von Eiweiß und Zucker (Fleisch und Süßigkeiten, aber auch Tabak setzt freie Radikale frei). Hier ist wiederum besonders wichtig, den Patienten immer wieder die Wichtigkeit einer gesunden, ausgeglichenen Ernährung und die eben genannten Zusammenhänge vor Augen zu führen. Man sollte dies mit genauen Richtlinien darlegen, und diese sollten in keiner Zahnarztpraxis fehlen.

Die Kombination aus Obst, Früchten, Gemüsen und ab und zu etwas Fisch und Fleisch geben uns geistig und körperlich, die Kraft, die wir brauchen, um über uns selbst hinaus zu wachsen.

Parodontitis, Stress und außergewöhnliche Belastungen:

Wie für jeden Zahnarzt klar sein sollte, spielen Stress, auussergewöhnliche körperliche und Belastungen, bis hin zur Trauer ebenfalls eine wesentliche Rolle, immer handelt es sich um ganzheitliche Geschehnisse, die in ihrer Gesamtheit so einwirken, dass der Patient regelrecht „am Zahnfleisch geht“. Psychische Belastung wirkt v.A. durch einen geschwächten Magenmeridian; der Patient muss JETZT hingewiesen werden, sich zu schonen, sich selbst mehr Zeit und Aufmerksamkeit zu gönnen, ihm klar zu machen, dass jetzt er selbst und nicht nur alle anderen wichtig sind! Oftmals ist eine solche „Umstellung“ des Patienten, oft mit Hilfe einfacher Homöopathie oder orthomolekularer Produkte die Grundvoraussetzung einer Heilung, da dieser Patient sich oft in einer sog. Regulationsstarre befindet, d.h. er wird auf keine Therapie ansprechen, so lange Sie ihm nicht aus seiner Starre herausholen.